Entnommen aus dem kleinen Informationsheft, erstellt von Herrn H. Rackl, unter Mitarbeit von Roswitha Sebald und Hans Kumeth.

Zur Geschichte der Pfarrei (J.B. Lehner):
Die Pfarrei Kemnath muss um das Jahr 1100 gegründet worden sein. Denn für das Jahr 1150 ist ein “Gotfridus plebanus des Chemnaten (Pfarrer Gotfried v.K.) bezeugt. Vielleicht waren die Inhaber der ehemaligen Burg auf dem Buchberg die Gründer. 1394 verkauften die adeligen Paulsdorfer von Tännesberg (Stammsitz in Paulsdorf bei Amberg) ihr Besetzungsrecht auf die Pfarrei “Kemnaten auf dem Aign” an Pfalzgraf Ruprecht. Seitdem besaß der Landesherr dieses Recht. Einer der letzten Pfarrer vor der Glaubensspaltung, Ulrich Hanauer, ein gebürtiger Nabburger, war von 1535 bis 1542 gleichzeitig Dompfarrer und Domprediger in Regensburg. Er ließ seine Kemnather Pfarrei gegen bestimmte Abgaben von einem Vikar versehen, – damals eine häufige Praxis. Wegen seiner scharfen Predigten gegen die Lutheraner musste er abdanken, wurde Kanonikus an der Alten Kapelle und Pfarrer von St. Kassian in Regensburg. Er starb 1558.

Die Zeit der Reformation
1557 bis 1626 musste auch Kemnath sich bald lutherischen, bald kalvinische Pfarrer gefallen lassen. 1574 wurden die Pfarrer durch das kalvinische Kirchenregiment der Hauptstadt Amberg mittels Handgelübde verpflichtet, keinen Chorrock mehr anzuziehen. Der Kemnather Pfarrer, der zum Ärger der Visitatoren noch nicht einmal die Altäre aus seiner Kirche entfernt hatte, wunderte sich darüber, dass man “in solch kindischen Sachen, wie es ein Chorrock sei”, ein Handgelübde verlange; der Chorrock mache ihn weder warm noch kalt und diene nur dazu, im Sommer den Schweiß abzuwischen, sonst aber, “salva venia (mit Verlaub) die Nasen damit zu buzen”. Er musste den Chorrock auf Verlangen seiner Pfarrkinder wieder anziehen, um nicht in den Verdacht zu kommen, Kalviner zu sein.
Von seinem Nachfolger Michael Schmidt wurde 1585 ein Pfarrhof mit Gewölben erbaut. 1626 wurde Kemnath wieder katholisch und ihm die ehemalige Pfarrei Neunaigen als Filiale zugeteilt.

Die Kirche in Kemnath a.B.

Lange vor Gründung der Pfarrei hatte Kemnath eine Kirche. Die Kirchenvisitation von 1508 gibt als Kirchenpatron noch St. Wenzeslaus an, ein paar Jahre später jedoch, 1526, schon die Hl. Margareth; später galten beide zusammen als Patrone, bis in heutige Zeit.
Die Blütezeit der Verehrung des Heiligen Böhmenherzogs Wenzel war das zehnte und elfte Jahrhundert. Dieses Patrozinium lässt darum auf eine Kirchengründung vor 1000 schließen, wohl durch einen Adeligen, der Beziehungen zu Böhmen hatte. Die Hl. Margareth wurde wohl im Rahmen eines Kirchenneubaus im 12. Jahrhundert zweite Patronin.

Die heutige Pfarrkirche wurde 1776-1780 durch einen der verdienstesten und wohltätigsten Pfarrer der Pfarrei Johann Wilhelm Vischer (Fischer) neu gebaut. 38 Jahre lang wirkte er selbst hier als Pfarrer (1746-1784). Sein Bruder Adam Ambros (Fischer) versah zuerst als Hilfspriester Neunaigen und wurde dann in Kemnath sein Nachfolger.
An die Persönlichkeit eines Pfarrer Johann Wilhelm Vischer erinnert ein vergoldeter Silber-Kelch mit Medaillons (W F 1782) der Pfarrei, sowie eine Gedenktafel für den Erbauer.
Die Gründerzeit der Pfarrkirche beschreibt auch ein Grabstein für Joseph Leopold, Reichsedlen von Widmann, Doktor der Rechte, INhaber des Gutes Holzhammer, gestorben 1793. Wohl auch ein Gönner der Kirche.
Jedenfalls hatte er einen berühmten Verwandten: Ein Vetter war der damalige Subregens Michael Wittmann in Regensburg, später ein verdienter Bischof!

Der Geschichtsschreiber Georg Landgraf berichtet über folgende Sage:
“Bekannt ist auch die Sage, dass aus den versenkten Goldschätzen des Schlosses Buchberg die Kirchen im nahen Kemnath und Neunaign gebaut worden sein sollen. Die Sage nennt Pfarrer Wilhelm Vischer, der Ende des 18. Jahrhunderts in Kemnath amtierte, und dessen Bruder Ambrosius, der als Hilfsgeistlicher Neunaign versah, als die beiden Glücklichen, welche die bösen Geister, die den Schatz bewachten, bannten und den Schatz heben konnten. Diese Verbindung von Pfarrer Vischer mit der uralten Schatzsage wird daraus entstanden sein, dass diese Geistlichen sehr viel für Kirchenbauten zustande brachten, 1783 die Kemnather und 1792 die Neunaigner Kirche neu erbauten und andere Kirchen unterstützten, wie eine Tafel in der Pfarrkirche zu Pfreimd besagt. Ihre Patrone Wilhelm und Ambrosius schmücken hoch oben die beiden Seitenaltäre in der Kirche zu Neunaign.”

Die Ausstattung der Pfarrkirche St. Margareta

Der Kirchbau aus den Jahren 1776 bis 1780 hatte eine Rokoko-Ausstattung. Bei der Renovierung im Jahr 1882 kam es offenbar zu einer Reduzierung der Ausstattung. Erst durch die Erweiterung bzw. Erneuerung im Jahre 1956/1957 erhielt die Kirche ihre Rokoko-Altäre wieder.