Pfarrer Karl Borromäus Kramer ist ein Glaubenszeuge aus einer furchtbarer Zeit: der Pfarrer_Kramer_Gedenktafel_SchnaittenbachNazi-Zeit. Er wurde Opfer des Nazi-Regimes und ist an den Folgen seiner Haftzeit am 27. März 1945 gestorben. Damit jährt sich 2015 sein Todestag zum 70. Mal.
Es ist Anlass genug seine Person und die Umstände seiner Verhaftung auf der Homepage unserer Pfarrei etwas näher vorzustellen.
Drei Personen haben sich um die Aufarbeitung seiner Geschichte besonders verdient gemacht: Prof. Dr. Manfred Stauber, Albert Wagner und Hans Hirsch. Dafür gilt ihnen ein großer Dank!
Außerdem hat sich Thorsten Schmid im Rahmen seiner Facharbeit am Herzog-Christian-August-Gymnasium Sulzbach-Rosenberg bei Oberstudienrat Peter Färber (2008) intensiv mit der Sache auseinandergesetzt.

Im Folgenden wird die Lebensbeschreibung wiedergegeben, wie sie Stefan Siegert für die Pfarreichronik St.Vitus Schnaittenbach verfasst hat.

Im Übrigen werden in diesem Artikel Namenskürzel verwendet. Familiennamen von den Personen, die bei der Denunzierung Kramers beim NS-Sondergericht beteiligt waren, gibt es auch heute noch in Schnaittenbach. Wir verzichten bewusst auf die Nennung der Familiennamen, um mögliche Mit-Verurteilungen zu vermeiden.

Karl Kramer wurde am 24. Oktober 1881 in Geiersberg bei Deggendorf geboren. Ab 1891 besuchte er das Bischöfliche Knabenseminar Metten und später das angegliederte Gymnasium. Neun Jahre später trat Kramer in das Regensburger Priesterseminar ein und studierte an der philosophisch-theologischen Fakultät der Hochschule Regensburg.
Nachdem er am 4. Juli 1905 die Priesterweihe im Hohen Dom zu Regensburg durch Bischof Ignatius von Senestréy hatte, wurde er bereits einen Tag später alsPfarrer_Kramer_Priestergrab_Schnaittenbach Hilfspriester in Gotteszell bestellt. Bevor Pfarrer Kramer am 15. November 1927 zu seiner letzten Wirkungsstätte nach Schnaittenbach berufen wurde, wirkte er u.a. in Unterviechtach, Hirschau und Waldau bei Vohenstrauß.
Kramer wurde von verschiedenen Seiten als rechtschaffener, engagierter und gewissenhafter Seelsorger geschildert. Prof. Manfred Stauber beschrieb den Kleriker in seiner Rede zu seinem 50. Todestag in einer Gedenkrede als geschätzten, guten, gescheiten, fleißigen und abwägenden Menschen. Somit war Kramer ein unerwünschtes und geächtetes Übel in den Augen des NS-Regimes. Nur ein kleiner Anlass genügte, um solche “Aufständische” in eine gefährliche Situation zu bringen. Am 18. Oktober 1944 wurde Pfarrer Kramer vom NS-Sondergericht Nürnberg wegen eines angeblichen Vergehens gegen das Heimtückegesetzes zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Seine Haft musste er ab 06. November 1944 im Gefängnis Landsberg am Lech verbüßen.
An dieser Stelle soll ein Auszug des letzten Briefs von Karl Kramer vom 24. Februar 1945 aus dem NS-Gefängnis Platz finden: “Mein Gesuch um Strafnachlaß ist abgelehnt worden. So muß ich also, wenn nicht der Rechtsanwalt etwas erreichen kann, die vollen fünf Monate hier bleiben bis zum 6. April. das ist wohl bitter. Doch muß ich halt auch beten, wie der Heiland gebetet hat: Vater, nicht mein Wille geschehe, sondern Dein Wille geschehe. Die Mutter Gottes hat zudem bei ihren Erscheinungen in Fatima immer wieder Buße verlangt. So will ich ihr gehorsames Kind sein und diese 40 Tage noch als Buße und Sühne für mich und meine Pfarrfamilie auf den Opferaltar legen.”
Nachdem Kramers Gesundheitszustand aufgrund der Zustände in der Haftanstalt immer schlechter wurde, gelang es dem Gefangenenseelsorger Karl Morgenschweiß den todkranken Geistlichen in das städtische Krankenhaus zu verlegen. Am 27. März 1945 erlag er seinen Leiden (schwere Erkältung, Durchfall und einseitige Lungenentzündung) und schlief ruhig und friedlich ein. Der Leichnam wurde nach dem Krieg nach Schnaittenbach überführt und fand am hiesigen Friedhof im Priestergrab die letzte Ruhe.

Eine ausführliche Beschreibung des Lebens und vor allem des Prozesses ist in der Facharbeit von Hr. Thorsten Schmid zu finden.

Feldkreuz Pröls_Pfarrer_Kramer-Gedenke_SchnaittenbachDas”Feldkreuz Pröls” wurde 1966 in Erinnerung an Pfarrer Kramer errichtet und geweiht.
Verzeichnet in: Helmut Richter, Flurdenkmäler in Schnaittenbach und den Ortsteilen Holzhammer-Neuersdorf und Kemnath, 2007, S 14.

Sterbeurkunde_Pfarrer_Kramer_Schnaittenbach
Sterbeurkunde Pfarrer Kramer

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Gedenkfeier Pfarrer Kramer 50. Todestag
Gedenkfeier Pfarrer Kramer 60. Todestag