Kapelle_Neuersdorf

Zur Geschichte:
Ab 1730 kann man öfter in den Kirchenbüchern von Kohlberg Eintragungen von Neuersdorf feststellen. Neuersdorf gehörte damals zur Pfarrei Kohlberg.
In sogenannten Heimatblättern für den oberen Naabgau im 3. Reich wird über diverse Schreibweisen der Ortschaft Neuersdorf berichtet: – Neures Dorf (erstmals genannt)
– Neiesdorf
– 1745 Neursdorff (im neuesten Dorf)

Im Jahr 1784 (also vor gut 200 Jahren) werden aus Neuersdorf zwei Kinder getauft.
(Theresia Weidner und Johannes Michael Demleithner), ein Brautpaar (der Witwer Antonius Löbenstein und die Arbeiterin Barbara Linckin) wird getraut und zwei Bauern (Laurentius Sehr und Georgius Dozler) werden beerdigt.

Ein Problem war schon immer die weite Entfernung vom Pfarr- und Schulort.
So wird in einer Pfarreibeschreibung von 1858 festgestellt: „Der vormittägige Pfarrgottesdienst wird fleißig besucht mit Ausnahme der Katholiken aus Holzhammer und Neuersdorf, welche nur an einigen Tagen die Pfarrkirche , sonst aber ungeachtet öfterer Ermahnungen die Kirchen von Schnaittenbach, Neunaigen und Neudorf besuchen, und daher dem Pfarrverband entfremdet und nirgends heimisch ziemlich kalt in religiöser Beziehung sind.“

Da zu der Zeit damals der Pfarrer auch noch die Schulaufsicht hatte, bemerkt er zum Schulbesuch:
„Die Kinder von Kohlberg besuchen die Schule fleißig, die von Holzhammer und Neuersdorf theils wegen des langen beschwerlichen Weges, theils aus Nachlässigkeit sehr unregelmäßig.“
Als Wegzeit von Neuersdorf nach Kohlberg werden 1 ¼ Stunden angegeben.

Im Jahre 1860 werden bei der Pfarrbeschreibung für Neuersdorf 14 Häuser und das simultane Hirtenhaus mit 80 Einwohnern angegeben; davon ist niemand protestantisch.

1856 hat sich „die ganz katholische Gemeinde Neuersdorf“ eine neue Gebetglocke angeschafft. Diese wurde wahrscheinlich auf einem Baum aufgehängt;denn in einem Gesuch des Pfarrers von Kohlberg an den Bischof im Jahre 1897 heißt es: „In der zur hiesigen Pfarrei gehörigen Ortschaft Neuersdorf war bisher die Ortsglocke auf einem Baum angebracht, dieselbe ist nun gesprungen“.

Weiter heißt es in dem Brief: „Die Ortsbewohner möchten nun gern eine neue Glocke unter Drangabe der zersprungenen … und lassen anfragen, ob diese neue Glocke nicht geweiht werden könnte…. Im genannten Orte werden auch einhundert Mark testiert mit dem bestimmten Zwecke, dieselbe mit zur Erbauung einer Kapelle zu verwenden. Geschehen ist aber in dieser Beziehung bisher nichts, und nun möchten die Ortsbewohner diese hundert Mark mit zur Anschaffung einer Glocke und zur Aufstellung eines Glockenstuhles verwenden.“

Das Ordinariat erlaubt die kirchliche Segnung der Glocke, „wenn sie als Aveglocke benutzt und in entsprechenderer Weise als bisher untergebracht wird.“

Einen kleinen Einblick in die Zeitverhältnisse gibt uns ein Eintrag im Trauungsbuch vom Jahr 1884:
Am 16. Juni sind zu Kohlberg nach dreimaliger Verkündigung kirchlich getraut worden:
Jüngling Joh. Baptist Sehr und Jungfrau Apollonia Häusler.
NB. die jungen Eheleute werden am 5. Juli von Bremen aus nach Amerika abreisen.“

Im Jahr 1932 wird endgültig mit der Errichtung einer Kapelle begonnen.
Bauherr ist die katholische Kirchengemeinde Kohlberg.

Der Ortsausschuß von Neuersdorf beschließt am 29.05.1932, dass die Errichtung der Kapelle auf dem Grundstück des Georg Braun in unwiderruflicher Weise gestattet wird. Laut pfarramtlichen Bericht ist der Bau ein dringendes Bedürfnis und es „soll nach Möglichkeit etwa 3 mal im Jahr Gottesdienst gehalten werden, um den alten Leuten Gelegenheit zum Sakramententenempfang zu geben; die Katholiken wollen dort am Sonntagnachmittag, im Oktober und Mai auch unter der Woche ihre Andacht abhalten.“

Der Kostenvoranschlag nach Schätzung des Bezirksamtes in Neustadt lautet auf 1.800,- bis 2.000,-Mark. Folgender Finanzierungsplan wird aufgestellt: Zuschuß Bischöfl. Ordinariat 500,-
Freiw. Gabe Joh.Braun. Hsn. 18.400,-
Spende Gg. Heldmann 200,-
Zeichnung der Ortschaft Neuersd. 350,-
Freiw. Abgabe von Holz, Hand- 350,- und Spanndienste

Zu dieser Zeit werden in der Ortschaft 83 „Seelen“ gezählt. Da in der Pfarrkirche in Kohlberg zur gleichen Zeit die Ausmalung und Ausstattung vorgenommen wird, werden die gleichen Unternehmen auch für Neuersdorf übernommen:
-Gemälde fertigt der Kunstmaler Ludwig Angerer aus München
-Altar und Figuren der akademische Bildhauer Roider aus Regensburg

Am 8. Oktober 1933 wird die Kapelle von Pfarrer Jakob Sax benediciert. Die Kapelle wird dem „Herzen Jesu“ geweiht.

Um diese Zeit wird auch außerhalb der Kapelle von zwei Wohltätern ein größeres Kreuz „aus massivem Stoff“ errichtet (Brüder Herdegen).

Am 18. Februar 1934 wird der Kreuzweg in der Kapelle geweiht. Der Kreuzweg wird von Johann und Theresia Braun, Hsn. 16 gestiftet (Bilder), die Bilderrahmen werden von Bartholomäus Jäger aus Holzhammer geschnitzt.

Eine neue Glocke, die die Kapelle durch eine „Wohltätige Stiftung“ erhält (Amberger Kaolinwerke), wird am 15. April 1934 geweiht. Der Pfarrer bittet den Bischof die Weihetaxe zu erlassen, „da die Filiale Neuersdorf nur von armen mittellosen Leuten bewohnt ist.“

18.10.1952: Es wird oberhirtlich genehmigt, Kindertaufen in der Dorfkapelle Neuersdorf zu halten, ohne dass ein Taufrecht der Kapelle begründet wird. Ganggebühr von 5 – 10 DM darf erhoben werden. Die Neuersdorfer haben ein diesbezügliches Bittgesuch an das Pfarramt Kohlberg gerichtet, das positiv befürwortet an das Bisch. Ordinariat weitergeleitet wurde.“

1962 wird die Kapelle erweitert auf 56 Sitzplätze und die jetztige Sakristei angebaut. Mit dieser Baumaßnahme verliert die Kapelle ihr ursprüngliches Aussehen.

Zum 1. April 1965 erfolgt die Umpfarrung von Neuersdorf von Kohlberg nach Schnaittenbach. Der Umpfarrung war eine Abstimmung vom 15. Nov. bis 18. Nov 1964 vorausgegangen. Stimmberechtigt waren alle Katholiken ab dem 21 Lebensjahr.
Ergebnis: Gesamtzahl Katholiken 104
Abgegebene Stimmzettel 58 Für Schnaittenbach 57 Für Kohlberg 1
Wahlbeteiligung: 100%

Die moderne Zeit geht auch an der Ortskapelle nicht vorbei, so wird im Jahre 1984 ein „elektrisches Geläut“ installiert und 1987 eine elektrische Bankheizung eingebaut. Die Kosten der Heizung belaufen sich auf 2.581,65 DM.

Da „der Zahn der Zeit“ auch an unserer Ortkapelle nagte, wurde im Jahre 1990 eine größere Außenrenovierung durchgeführt, unter anderem wurden dabei neue Fenster eingebaut und eine Drainage angelegt. Insgesamt 3.322,70 DM müssen dafür aufgebracht werden.

1995 wird das Dorfkreuz renoviert und wieder an den ursprünglichen Ort beim Anwesen HsNr. 10 zurückgebracht. Aus nicht bekannten Gründen war das Kreuz vorübergehend einige Jahrzehnte vor dem Anwesen HsNr. 1 installiert gewesen. Das Kreuz wird neu erstellt und ein Betstuhl nach alten Vorlagen und Bildern angefertigt.

Nach den Außenarbeiten wurde die Kapelle 1997 einer Innenrenovierung unterzogen:
Neue Kirchenbänke wurden angeschafft;
Der große alte Altar wurde durch einen neuen ersetzt;
Ein neuer Kreuzweg angeschafft;
Die Kirchentür erneuert;
Der Kapellenboden gefliest;
Insgesamt 297 Stunden Eigenleistung der Dorfbewohner werden erbracht, die Kosten belaufen sich auf
23.333,76 DM.

Das 125-jährige Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr 2007 war im Jahr 2006 für die Ortsgemeinschaft Anlass, unsere Kapelle wieder auf Hochglanz zu bringen.
Ein neuer Innenanstrich war notwendig geworden, um die Feuchtigkeitsflecken an den Wänden zu beseitigen. Weiter wurden im Außenbereich Putzschäden beseitigt und die Kapelle neu gestrichen. Um gegen Nässe von „oben“ ausreichend Schutz zu haben, wurde das Dach der Ortskapelle erneuert. Dabei wurden insgesamt rund 350 unentgeltliche Arbeitsstunden der Helfer geleistet. Für Materialien müssen 2.391,72 € bezahlt werden.

Da bei der Umpfarrung der Ortschaft Neuersdorf im Jahre 1965 von Kohlberg nach Schnaittenbach „vergessen“ wurde, auch die Kapelle bzw. das Grundstück in den Eigentum der Pfarrei Schnaittenbach zu übertragen, erfolgt erst am 24.09.2009 die notarielle „grundbuchamtliche“ Überschreibung an die Kath. Kirchenstiftung Schnaittenbach.

Seit der Erbauung im Jahre 1933 kümmern sich jedoch die Ortsbewohner von Neuersdorf um den Erhalt der Kapelle. So wurden die Erweiterung im Jahre 1962 und alle Renovierungen von den Dorfbewohnern in Eigenleistung erbracht und nur mit Spenden finanziert. Dazu wurde im Jahre 1985 eine „Ortskapellenverwaltung“ bestimmt, die alle 6 Jahre neu gewählt wird und sich um die Erhaltung der Kapelle kümmert..

Zur Zeit findet jede Woche ein Werktagsgottesdienst statt und viermal im Jahr wird an den großen Kirchenfesttagen durch den Pfarrer von Schnaittenbach (oder einer Aushilfe) dieEucharistie in unserer Ortskapelle gefeiert.

Zusammengestellt nach Unterlagen im Pfarramt Kohlberg und im Diözesanarchiv von Andreas Schlagenhaufer, Pfarrer von Kohlberg am 25.04.1984,

Ergänzt nach Aussagen von älteren Dorfbewohnern und fortgeschrieben durch Johann Pilarski.